The Real China Experience

我的生活在中国

Sommer in Hefei

Es war vor ein paar Wochen nun übrigens Hochsommer in Hefei. Und er machte seinem Namen alle Ehre. Während die iPhone Wetter-App immer ca. 38 °C anzeigte, so hatte ich schon länger das Gefühl, dass das einfach nicht sein kann. Immerhin stand zusätzlich darunter „gefühlte 44 °C“ was schon eher hinkam. Ein chinesischer Bekannter schickte mir dann das obige Foto und siehe da; es waren einfach locker 50 °C in Bodennähe. Ich wunderte mich schon oft, wie das Leute in z. B. Dubai aushalten, wenn es dort auch um die 50 °C hat. Nun weiß ich es.

Für alle, die so etwas noch nicht erlebt haben, hier ein paar Eindrücke. Es gibt da ein paar recht lustige Eigenheiten bei derartiger Hitze:

– Barfuß auf Asphalt laufen ist natürlich unmöglich, da dieser locker 70 °C hat und man sich schnell verbrennt.
– Ohne T-Shirt (oder komplett nackt) rumlaufen bringt keine Abkühlung.
– Kaltwasser aus der Dusche gibt es nicht mehr. Es gibt nur noch lauwarmes bis warmes Wasser.
– Eine „kühle Brise“ gibt es nicht. Wind oder Fahrtwind im Bus fühlt sich sprichwörtlich wie ein Haarfön an, da er ca. die gleiche Temperatur hat.
– Eis essen ist ein Wettlauf gegen die Zeit bzw. Hitze und fast unmöglich. Es schmilzt sprichwörtlich im Sekundentakt.
– Wenn man von schön auf 23 °C klimatisierten Räumlichkeiten dann zurück in diese Hitze muss, ist es noch unfassbarer und man wundert sich JEDESMAL wie heiß es eigentlich gerade ist.
– Wenn man halbwegs „erfrischend“ lauwarm geduscht hat, heizt man sich gleich wieder durch das Handtuch auf, da dieses auch ca. 40 °C hat. Kennt ihr diese warmen Tücher, die man in Massagesalons / SPAs bekommt? Jepp, genau so ist das.
– Man läuft ca. 10 m draußen herum und ist direkt durchgeschwitzt wie ein Marathonläufer.
– Das führt wiederrum dazu, dass es einem ständig (!) im Schritt (!) reibt (!), da einfach die Hosen komplett an einem kleben. Nicht schön.
– Der Kopf tut einem weh. Also nicht wie Kopfweh, eher so ein Pochen vor lauter Hitze. Eben wie, wenn man zu lange in der Sauna / unter knallender Sonne im Freibad sitzte.
– Bei längerem Herumlaufen draußen (länger, das heißt im Moment mehr als 10 Minuten) muss man echt seinen Kreislauf irgendwie zusammenhalten.
– Wenn ich meine Tasche mit zur Arbeit nehme und im Bus dann auf meinen Schoß lege, ist das wie ein Wärmekissen und ich schwitze direkt 5-fach soviel.
– Man kann leider sprichwörtlich nichts mehr draußen unternehmen, da man sonst nach spätestens 10 Minuten stirbt.
– Nach größeren Geschäften auf der Toilette muss man sprichwörtlich erst einmal was trinken.
– In’s Fitnessstudio gehen ist auf einmal trotz Klimaanlage im Fitnessstudio fast unmöglich.
– Bier muss man innerhalb 1 – 2 Minuten trinken sonst ist es nur noch warme Brühe.
– In Deutschland hasse ich Klimaanlage im Auto und will am liebsten immer mit offenem Fenster fahren, weil das einfach super ist. Schön warm draußen, frischer Wind, einfach schöner Sommer in Deutschland. Hier jedoch will ich jeden Uber bzw. Taxi Fahrer töten, welcher keine Klimaanlage anmacht und die Fenster aufhat. Stichwort: Haarfön im Gesicht für die Gänze der Fahrt.
– Man kann nicht mehr zuhause kochen, da der Gasherd die Küche zusätzlich um 5 – 10 °C aufheizt.
– Der Supermarkt stellte Bänke und Stühle vor seine Fernseher und zeigte Filme. Dort sitzen dann lauter Menschen und kühlen sich im Supermarkt ab. Überall „lungern“ die Leute rum, die zuhause keine Klimaanlage haben und wollen sich abkühlen. Zwischen den Waschmaschinen schlafen manchmal sogar welche.
– Man kann leider kein Street Food mehr draußen essen, da man ständig auf sein eigenes Essen schwitzt, weil es einem einfach nur so von der Stirn tropft wie in der Sauna.

Ein paar Vorteile gibt es aber auch:

– Man friert nicht. Nie. Never. Ever. In Deutschland kann es ja noch so heiß sein, irgendwie friert man ja doch manchmal. Sei es durch Verdunstungskälte am Körper, manchmal schon im Schatten, wenn eine frische Brise geht oder die kalte Dusche, die in Deutschland halt immer noch kalt ist irgendwie.
– Die Katzen sind wie sediert und liegen nur faul herum und strecken alle Viere von sich.
– Man kann zu Hause auf dem Steinboden Barfuß rumlaufen und es fühlt sich wie eine Fußbodenheizung an.
– Man muss Essensreste aus der Küche nicht extra aufwärmen.
– Geliefertes Essen ist immer noch schön heiß und nicht lauwarm.
– Wäsche trocknet ungelogen in 30 Minuten oder weniger. Je nach Stoff.
– Immerhin gibt es überall Klimaanlagen hier, nicht wie im Winter wo es dann überall kalt ist.

Naja, alles in allem wirklich interessant und schön, es mal erlebt zu haben. Definitiv eine interessante Erfahrung, die man mal machen sollte, damit man den Sommer in Deutschland evtl. etwas mehr schätzt. Hehe.

Deutschland in China 2

Hier noch ein paar Beispiele, wo einem manchmal Deutschland in China begegnet.

Supermärkte

Auf den ersten Blick unterscheiden sich chinesische Supermärkte kaum von unseren. Doch nimmt man sich erst einmal die Zeit und geht einkaufen, merkt man schnell, dass hier die Unterschiede vor allem in den Details liegen.

Taschen abgeben

Am Eingang wird man aufgefordert, etwaige mitgebrachte Taschen oder Tüten doch bitte nicht mit in den Markt zu nehmen. Dafür stehen dann auch meist eine Reihe von Schließfächern bereit, welche auf Knopfdruck einen Coupon mit Barcode ausspucken. Diesen Coupon nimmt man dann mit, um später wieder mittels Barcode-Scannen sein Schließfach wieder zu öffnen. Meines Erachtens ganz angenehm, da man so immer eine Möglichkeit hat, Mitgebrachtes kurz wegzuschließen und sich Diskussionen an der Kasse erspart. Des Weiteren ist das Wegschließen auch wesentlich schneller und angenehmer, als andauernd zur Info zu rennen und zu fragen, ob man seine Tüte kurz abgeben kann.

Angebote

Als nächstes erschlagen einen meist die Angebote in den ersten Metern des Marktes. Oft turmhoch gestapelt und mit unzähligen Preisetiketten, Hinweisschildern und Störern in Sternform ausgestattet werden hier Produkte zu gar nicht soviel günstigeren Preisen angeboten. Ja, in China ist das Angeben von 100g-Preisen noch keine Pflicht und so nutzen die Hersteller die Naivität vieler Kunden schamlos aus. Viele Produkte kommen in riesigen oder aufwändig gestalteten Packungen, um viel Inhalt zu suggieren, wenn man aber auf den Inhalt schaut, stellt man schnell fest, dass das Kaufen von zwei kleineren Packungen meist günstiger ist. Es gibt aber dennoch hier und da gute Angebote und vor allem scheint es in China gerade sehr trendy zu sein irgendwelchen Haushaltskram mit an die Produkte zu kleben. Kaufe zwei Tüten Waschmittel und bekomme diese Glasschüssel geschenkt. Die Hersteller kleben teilweise alles mögliche an die Produkte, um sie preislich attraktiver zu machen und in den Markt zu dringen. Gerade bei Joghurt stellt man das oft fest. Beliebteste Beipackprodukte sind hier Schüsseln, Gläser, Löffel, Plastiksiebe, etc. Generell scheint mir das Thema Angebote in China wesentlich ausgeprägter, bzw. aktueller zu sein, als in Deutschland. Von fast jedem Produkt gibt es mind. eine Sonderversion in größerer Packung oder manchmal auch einfach zusammengeklebt mit einem anderen oder gleichen Produkt. Zwei zum Preis von einem sozusagen. Auffalend ist des Weiteren, dass am Wochenende in der Regel jede Angebotsinsel zusätzlich eine extra Verkäuferin dabei hat, welche dann lauthals mittels Mikrofon die Vorteile des Produkts und vor allem den Preis quer durch den Supermarkt schreit. Und das für jede Insel, welche direkt nebeneinander stehen, was natürlich in einer fulminanten Kakophonie gipfelt und alles andere als zum Verweilen einlädt.

Personal

Läuft man weiter, überrascht erst einmal die hohe Anzahl des Personals. Dass Arbeitskraft in China sehr, sehr günstig ist, merkt man wirklich an jeder Ecke, aber gerade in Shops und Supermärkten ist das mehr als deutlich zu spüren. Während man im riesigen Kaufland Mannheim mit Müh‘ und Not einen oder zwei verlorene Mitarbeiter findet, die aber ohnehin keine Zeit für einen haben, weil sie gerade einsortieren oder Pappkartons zusammenfalten, hat man in China in jeder (!) Abteilung mind. 2 (!) Mitarbeiter. Diese helfen dann bei Fragen zu Produkten, versuchen das beste Angebot für einen herauszufinden und sortieren aus lauter Langeweile irgendwann auch Produkte. Besonders lustig sehen die Mitarbeiter aus, wenn sie Preisschilder an die Decken hängen, denn auf Leitern in China besteht anscheinend Helmpflicht. So angenehm es auch ist, ständig einen Ansprechpartner parat zu haben, manchmal kann es leider auch ein wenig nerven, wenn man sich nur bei den Chips umschauen will und ständig mit Angeboten vollgelabert wird oder Hilfe bei der Auswahl angeboten bekommt.

Auswahl

Je tiefer man dann in den Supermarkt vordringt, stellt man fest, dass es den Chinesen kaum an Auswahl mangelt. Von vielen Produkten gibt es mind. 20 verschiedene Marken zur Auswahl und die Regale sind stets vollends gefüllt. Hier erkennt man dann auch schnell die Vorlieben der Chinesen, bzw. kulturelle Unterschiede. Während Schokolade eher Mangelware und recht teuer ist, braucht es allein 2 lange Regalinseln, nur um alle Ölsorten zu präsentieren. Die Chinesen kochen wirklich sehr ölig und das merkt man im Supermarkt am meisten. Während in Deutschland eine 1 Liter Flasche Öl der Standard und alles darüber eher die Ausnahme ist, scheint der Standard in China bei 5 Liter Flaschen zu liegen. Hier natürlich auch oft wieder zusätzlich mit 0,5 Liter Flasche drangeklebt, als besonderes Schmankerl. Auch die Auswahl an verschiedenen Ölsorten lässt nicht zu wünschen übrig, hier gibt es wahrlich alles an Öl, von verschiedenen gemixten Ölen, über Sesamöl bis zu Öl aus komischen Pflanzen, von welchen ich noch nie in meinem Leben gehört habe. Das Regal für die Sojasoße sieht natürlich ähnlich aus. Etwas ungewöhnlich finde ich die Gewichtung von Zahnpasta in chinesischen Supermärkten. Die Chinesen scheinen Zähne putzen wirklich, wirklich sehr zu mögen und so gibt es dann meist eine unfassbare Anzahl und Auswahl an verschiedenen Zahncremes. Ansonsten gibt es natürlich auch Produkte mit eher wenig bis gar keiner Auswahl. Während Joghurt zwar gerade total am abheben in China ist, so sucht man Käse leider meist vergeblich. Selbst, wenn ein Supermarkt (Walmart z. B.) Käse hat, dann gibt es meist nur 3 verschiedene zur Auswahl und natürlich zu horrenden Preisen. Dosengemüse oder generell Dosennahrung sucht man hier auch vergebens. Deutsches Bier gibt es jedoch meist in Hülle und Fülle, dieses Thema verdient allerdings fast einen eigenen Blogpost.

Frischeabteilung

Ein Stockwerk tiefer gibt es dann die Frischeabteilung, in welcher uns natürlich zuerst die Aquarien für die Fische auffallen. In China werden ca. 80 % aller Fische lebend verkauft und schwimmen im Supermarkt die ganze Zeit fröhlich vor sich hin. Des Weiteren gibt es natürlich Garnelen und Muscheln zur Auswahl, aber auch auf Schildkröten und Frösche muss man in China nicht verzichten. Die Fleischtheke ist ungewohnt „offen“ konstruiert. Hier liegt alles (auf Eis) direkt vor einem und jeder kann fröhlich drauf husten und / oder spucken. Da die Chinesen aber alles immer ziemlich, ziemlich heiß durchbraten macht sich hier darüber aber vermutlich keiner Sorgen. Gleiches gilt übrigens für die Hähnchen, die auf einem separaten Eisbett, schön sortiert nach Flügeln, Beinchen, Brüstchen und auch kompletten Hühnchen sortiert sind. Interessanterweise gibt es hier auch komplett schwarze Hähnchen. Was daran anders oder besonders ist, muss ich noch erörtern, bzw einem Geschmackstest unterziehen. Beim Gemüse gibt es ansonsten keine Überraschungen und auch das Obst sieht auf den ersten Blick aus wie bei uns. Auffallend ist lediglich, dass es natürlich viel mehr exotische Früchte gibt und die Kirschtomaten in China meistens beim Obst liegen. Generell werden zum Obst in China meist auch Kirschtomaten gereicht.

Bulk Food

Direkt neben dem Obst fällt eine weitere Kuriosität auf. Sogenanntes „Bulk Food“, was sich am ehesten noch als Massenware übersetzen lässt. Hier stehen dann Berge von Körnern, Gries, Bohnen und Samen verschiedenster Art herum und das Kiloweise. Alles schön offen präsentiert und jeweils mit einer Schaufel bestückt. Das gleiche gilt für den Reis, welchen man ebenfalls auf diese Art kaufen kann. Lustigerweise findet man in der Süßwarenabteilung auch Berge von kleinen Päckchen mit Süßwaren. Von Schokolade über Minikuchen bis getrockneten Früchten ist da alles dabei und die Chinesen lieben es, sich davon ihren persönlichen Mix in die Tüten zu stopfen. Meist wird dieser Kram dann zu Feiern und Festlichkeiten gekauft und an die Kinder verteilt.

Milchregal

Über Joghurt in China schrieb ich ja schon einmal etwas und man merkt es am Kühlregal mal wieder extrem. 80 % der Fläche ist nur Joghurt in den unterschiedlichsten Geschmacksrichtungen und von den unterschiedlichsten Marken. Käse sucht man leider meistens vergebens und selbst wenn es welchen gibt, dann nur diesen Fake-Käse für Toasts. Milkana ist hier anscheinend sehr beliebt und so gibt es von Milkana auch direkt Streichkäse, jedoch wie der Joghurt überwiegens süß. Etwas (schlechten) Mozzarella oder Parmesankäse muss man schon im Walmarkt suchen und zahlt dann auch meist mind. das Doppelte als in Deutschland. Milch ist hier mittlerweile auch serhr beliebt und es gibt von deutschen Importen bis zu chinesischer Eigenproduktion eigentlich alles. Auffallend sind die kleineren Milchpackungen in 200 ml Tetrapacks, die gerne in aufwändigen Geschenkboxen mit Tragegriffen verkauft werden.

Kasse

Und dann geht es schon an’s Bezahlen und oh mein Gott haben chinesische Supermärkte immer lange Schlangen vor den Kassen. Zu Stoßzeiten muss man unter Umständen schon einmal 15 – 30 Minuten warten, bis man endlich dran ist. Und wenn man erst einmal dran ist, erkennt man schnell warum das so ist. Chinesische Kassen haben KEIN Laufband und sind viel zu kurz. Schätzungsweise ca. 60 cm Ablagefläche vorne und 40 cm Ablagefläche hinten werden einem geboten. Ein Wocheneinkauf nach deutschem Vorbild ist also fast schon unmöglich, da man nicht alle Waren auf einmal drauf legen kann und nachlegen muss. Während man aber Waren nachlegt, fliegt vorne schon wieder alles abgescannte herunter. Also was soll denn das bitte, es ist das dümmste System der Welt und ich verstehe nicht, wieso man das macht? Gut, die Chinesen kaufen im Supermarkt generell nicht soviel ein wie Deutsche, aber selbst mit einem Tageseinkauf wird es schon knapp und man muss entweder zu zweit sein oder sich sehr gut organisieren und spurten. Naja und organisieren und spurten ist in China leider eher nicht der Fall und so staut es sich an den Kassen dann immer immens. Hier müssten sich Supermärkte noch ein „eigenes“, auf die Bevölkerung angepasstes System ausdenken.

Endlich

Ist man dann endlich durch die Kasse muss man nur noch durch die Diebstahlsicherung, wo ab und an auch der Kassenbon vorzuzeigen ist. Findet der Wachmann einen suspekt, kann auch schon einmal die Tüte mit dem Kassenbon abgeglichen werden. Das passierte mir aber noch nie und generell passiert auch nichts, wenn man einfach durchläuft und den Kassenbon gar nicht vorzeigt. Sieht eher nach Arbeitsbeschaffungsmaßnahme aus. Nun muss man sich nur noch durch den Irrgarten von Shops schlängeln und seine Tasche wieder am Automaten abholen und dann hat man es auch schon geschafft.

Kurz notiert 3

Jetzt, wo es meist um die 30 °C hier ist, kann man erfreut feststellen, dass Chinesen kaum riechen bzw. stinken. Sicher, der ein oder andere, der am Vortag etwas zuviel Knoblauch oder Kreuzkümmel gegessen hat, ist immer dabei. So richtige Stinker gibt es jedoch nicht, selbst wenn man in’s Fitnessstudio geht oder einen vollbepackten Bus betritt. 

Bewegtes 3

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Kurz Notiert 2

In China werden bei besonderen Angeboten die Preise nicht als „20 % günstiger“ angepriesen, sondern viel mehr als „nur 80 % vom Originalpreis bezahlen!“. Ein kleines, aber lustiges Detail meines Erachtens, was vor allem aber schon zwischen meiner Frau und mir für etliche Missverständnisse sorgte.

Sie: „Hier, willst du das T-Shirt kaufen? 80 % günstiger!“
Ich: „Was 80 % günstiger? Logo! Oh… du meinst 20 % günstiger. Nee, dann lieber nicht.“

Hinzu kommt, dass häufig keine wirkliche Prozentangabe da steht, sondern nur „8 折“ wie im Beispiel oben. „折“ (ausgesprochen zhé) heißt „falten“ und man kann sich das ganze dann wohl so vorstellen wie ein Blatt Papier, welches man an einer Ecke faltet und am Ende eine kleinere Fläche übrig hat.

Die Chinesen knausern übrigens nicht mit Rabatten. Momentan drängen z. B. die elektronischen Bezahlwege via Handy (sozusagen Apple Pay und Dinge wie PayPal) extremst in den Markt und konkurrieren hart untereinander. In der Regel kriegt man dadurch fast überall Rabatt, da die Bezahlfirma einem den Rabatt anbietet und nicht der T-Shirt Laden selbst und da kann es schon einmal vorkommen, dass man Dinge bis zu 50 % günstiger bekommt, wenn man auf diesem Wege bezahlt.

Deutschland in China

Deutschland ist in China recht beliebt. Auch wenn wir im zweiten Weltkrieg Alliierte der Japaner waren und diese den Chinesen ordentlich zusetzten, so ist es die Verarbeitung unserer Geschichte, welche die Chinesen immer wieder beeindruckt und mit uns versöhnlich stimmt. Und dann ist da natürlich noch das Bier und die Autos. So sieht man häufer mal Zahnarztpraxen mit „Implantaten aus Deutschland“ werben (während bei uns die Implantate alle aus China kommen), viele, viele deutsche Autos und auch Bars wie „Krombacher Bar“, „Bitburger Bar“ oder direkt das „Bavarian Beer House“.

Davon ab gibt es aber teilweise noch eher ungewöhnlichere und lustige Beispiele. Deutsche Technologie im Klärwerk, deutsche Sprache an einem Beautysalon und einen Kärcher-Shop in einer Edel Shopping Mall. Aber seht selbst.

Werbung in China

China ist ja bekanntlich recht groß und vor allem hat es ziemlich viele Bewohner. Hefei z. B. ist eine Stadt mit aktuell (naja, Stand 2010) ca. 7,5 Millionen Einwohnern. So ist es nicht verwunderlich, dass Werbung in China teilweise enorme Ausmaße annimmt. Man muss hier eben extrem auffallen, um aus der Masse heraus zu stechen. Und so fällt einem hier direkt die immense Größe von Werbebannern auf, welche hier überall rumhängen. Es kann schon einmal vorkommen, dass eine komplette Häuserseite mit einer Werbeplane bedeckt ist, auf welcher die neuesten Apartements angeboten werden. Werbeplanen sind in China zum größten Teil von mehrstöckiger Höhe und ebenso bunt und einfallsreich bedruckt. Während sich in Deutschland alle Firmen um den Preis der Plane sorgen machen, machen die Chinesen sich maximal um die Größe sorgen. Das Haus hat nur 10 Stockwerke? Shit, am besten auf dem Dach noch einen mind. 10 meter hohen Aufbau hinstellen, damit die Plane noch größer werden kann.

Gut, Werbeplanen sind ja noch vergleichsweise günstig, könnte man meinen. Wie wichtig den chinesischen Firmen ihr eigener – anscheinend enormer – Markt ist, zeigen aber vor allem die LED Leinwände, die hier auch einfach riesige Ausmaße annehmen. So eine LED Leinwand ist mit Sicherheit auch in China (und vor allem verglichen mit chinesischen Verhältnissen) sicher nicht günstig, aber dennoch werden hier einfach unfassbar riesige LED Leinwände an Häuserfronten angebracht, wo dann in unfassbar grellem LED Licht Werbung läuft. Manchmal als Slideshow, sehr oft Videoclips und manchmal hat man sogar noch das Wetter und die Uhrzeit dabei. Und als wäre das nicht genug, werden solche riesen TVs manchmal auch einfach an den Straßenrand oder anderweitig gute Plätze gesetzt. Es kommt dann schonmal vor, dass man so die Straßen lang läuft und auf einmal von einem riesigen LED Screen geblendet wird, der da einfach so rumsteht und größentechnisch die LED Wand des Finalspiels „Deutschland : Argentinien“ auf der Berliner Fanmeile in den Schatten stellt.

Und wenn wir schon einmal bei Größen sind, selbst Flyer müssen in China mindestens (!) Din A4 groß sein, bevor sich überhaupt jemand dafür interessiert. Am besten natürlich noch auf dickem Papier, damit auch alles ja hochwertig aussieht. Der Vergleich mit Deutschland, wo viele Firmen eher „handliche“ Formate bevorzugen muss auch hier mal wieder herbeigezogen und fast schon belächelt werden. Erst kürzlich war ich im Fitnessstudio, wo auf dem Thresen DIN A3 (!) Flyer herumlagen und die neusten Eigentumswohnungen samt angeschlossener Mega-Shopping-Mall bewarben. Jetzt Eigentumswohnung kaufen; nur 9.000 Yuan (ca. 1.200 EUR) pro Quadratmeter Wohnfläche! Klar, dass die bei den Preisen auf die Kacke hauen müssen. Ich fand es jedoch amüsant und interessant, vor allem weil die Flyer nicht einmal auf den Thresen passten und vorne wie hinten schon „herunter hingen“. Einfach unfassbar manchmal, dieses China.

Des Weiteren sind die Chinesen vor allem sehr einfallsreich, was die Plätze der Werbung angeht. In der Regel wird hier für Planen oder Aufkleber jeder freie cm² genutzt und am liebsten würden sie vermutlich sogar noch die Straßen bekleben. An unseren Fahrstultüren klebt Schnapswerbung, über dem Knopf zum Rufen des Fahrstuhls hängt noch ein Mini LCD Screen, auf welchem Videos laufen und darunter ganze 3 (!) weitere kleinere LCD Screens zusätzlich fröhlich Werbung anzeigen und als wäre das noch nicht genug hängen natürlich im Fahrstuhl auch nochmal 3 Bilderrahmen mit Werbung. Puh. Es erschlägt einen hier in der Tat manchmal. Viele Firmengelände oder Wohngegenden sind mittels Schranken blockiert, an welchen natürlich auch Werbung an den Lamellen angebracht wird. Selbst ein Luxushotel kann in der Lobby nicht auf 5 LED Leinwände verzichten. Selbst dann, wenn man glaubt endlich mal eine Werbefreie Hauswand oder Ecke gefunden zu haben, kommen einem auf einmal eine Truppe Menschen entgegen, welche Schilder mit Werbung darauf hochhalten und ggf. noch Riesenflyer an Interessierte ausgeben. Manchmal werden sie sogar von einem in ein Megaphon schreienden Anführer angeführt.

Aurale Werbung ist ja auch so ein Ding hier. Vor vielen Geschäften stehen einfach große Lautsprecher, auf welchen dann im Loop ein oder mehrere besonders tolle Angebote durchlaufen. Das ganze natürlich in einer ohrenbetäubenden Lautstärke, damit man natürlich am meisten von allen auffällt. Andere Läden wiederrum haben eine Verkäuferin vor der Tür stehen, welche in ein kleines Headset spricht und ein Minilautsprecher an ihrem Gürtel dann die neusten Angebote preist. Natürlich selbst bei den Minilautsprechern in einer ohrenbetäubenden Lautstärke und häufig kommt es auch mal vor, dass eben mehrere Läden nebeneinander sind und man so von 5 – 10 solchen Werbespots oder Angestellten beschallt wird. Unser McDonald’s vor unserer Haustür hat z. B. das Audiosignal seines TVs im Laden einfach nach draußen geleitet und so darf man sich als Anwohner nun täglich (!) und ungelogen den ganzen Tag (!) McDonald’s Werbespots anhören. Dann gibt es noch Fahrzeuge, welche einfach ein Megaphon auf dem Dach haben und entweder irgendwo parken oder auf Wunsch des Kunden auch durch die Stadt fahren und dann ihre Werbespots durch die Straßen trällern.

Zu den Flyern sei übrigens noch gesagt, dass das Flyerverteilen in China auch ziemlich lustig ist. Flyer werden oft gerollt und Fahrzeugen in die Türklinken geschoben oder an die Scheibenwischer gehängt. Natürlich gerne auch mal an der Ampel, wenn die Fahrzeuge kurz anhalten. Es wird einfach verteilt, ob man will oder nicht. Da jetzt aber z. B. Motorroller bzw. E-Bikes weder Scheibenwischer noch Türklinken haben, werden Flyer von den Verteilern auch gerne mal „abgelegt“. Und zwar entweder auf deinem Schoß, im Korb falls vorhanden, deiner Tasche oder einfach auf der Trittfläche, wo man seine Füße hat. Ein freundliches „Nein Danke“ hilft natürlich überhaupt nicht und so muss man sich einfach damit abfinden, nun noch mehr Werbung mit sich herumzutragen. In Shanghai saß ich einst in der U-Bahn und auch hier wurde mir einfach ein Flyer auf den Schoß gelegt, ob ich wollte oder nicht.

Ich kann nur erahnen wie hart umkämpft der chinesische Markt ist, aber wenn man sich die Werbung hier anschaut, dann muss es hier einiges zu holen geben, so wie alle darum kämpfen.

Kurz Notiert 1

Wenn man in China durch die Straßen läuft, sieht man öfter mal Erbrochenes auf der Straße. Zuerst lachte ich und dachte: „Jaja, die Chinesen und ihr Schnaps!“ aber schnell fällt einem auf, dass die Flecken immer in unmittelbarer Nähe einer Bushaltestelle sind. Des Weiteren fielen mir schon zwei junge Mädchen auf, die sich auf der Straße übergeben mussten. Ich frug daraufhin meine Frau und siehe da, es stellt sich heraus, dass wohl viele Chinesen (Chinesinnen?!) in Fahrzeugen Seekrank werden. Meine Frau hat das Problem ja auch öfter mal in einem Auto, ihre Nichte wird auch andauernd „car sick“ und nun das Erbrochene in der Nähe der Bushaltestellen.. Ich frage mich, wieso das so weit verbreitet ist hier.

Chao Hu

Zusammen mit Adrian und einem neugewonnenen chinesischen Freund besuchten wir den Chao Hu See (巢湖). Dieser befindet sich gerade mal 20 Minuten außerhalb Hefeis und gehört zu den fünf größten Sees in ganz China. Er ist maximal 55 km lang und an seiner breitesten Stelle 22 km breit. Er kommt also nicht ganz an den Bodensee heran, vor allem nicht was seine Tiefe angeht. Durchschnittlich gerade mal 2,5 meter tief und an der tiefsten Stelle nur 5 meter. Wir fuhren zuerst an die Stelle des Sees, an welcher der Zhongmiao Tempel (中庙介绍) steht. Dort kann man sich gegen eine geringe Gebühr umschauen und wenn man will auch ein wenig beten. Vor allem aber ist dieser Spot natürlich für Fotos sehr interessant.

Ansonsten besuchten wir noch ein kleines Dörfchen nahe des Sees, wo wir schließlich geschwind zu Mittag aßen. In dem kleinen Dörfchen schauten wir uns dann noch ein paar historische Geschäfte an, machten ein paar Fotos und schon war der Tag rum. Zumal unser chinesischer Kontakt nun auch arbeiten musste.

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